6. und 7. Mai 2026

Rückblick Fachkongress 2026

„Drei Länder, eine Mission: Holzbau – wirtschaftsstark und regional“

Der Fachkongress am Bodensee 2026 stand unter dem Motto „Drei Länder, eine Mission: Holzbau – wirtschaftsstark und regional“. Rund 400 Teilnehmende kamen am 6. und 7. Mai in Friedrichshafen zusammen, um über die Zukunft des Holzbaus im D-A-CH-Raum zu diskutieren – von der Rohstoffbasis über regionale Wertschöpfung bis hin zu Digitalisierung, Wirtschaftlichkeit, Brandschutz und Quartiersentwicklung.

Baden-Württembergs Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk MdL, eröffnete den Kongress mit dem Hinweis, dass die Zukunft trotz krisenhafter Rahmenbedingungen gestaltbar bleibe. Gerade die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bodenseeraum sei dafür wichtiger denn je. Der Fachkongress wird jährlich im Rahmen der Holzbau-Offensive Baden-Württemberg gemeinsam mit proHolzBW, proHolz Bayern, Lignum Ost und der vorarlberger holzbau_kunst veranstaltet.

„Wir müssen anders bauen“, so Minister Hauk. Der Einsatz von Holz im Bausektor bleibe ein wichtiger Hebel für Klimaschutz, die Verminderung des Flächenverbrauchs und den Einstieg in die Kreislaufwirtschaft. Zugleich stärke die regionale Verfügbarkeit des Rohstoffs Holz die wirtschaftliche Resilienz.

Die ganze Wertschöpfungskette im Blick

Ein zentrales Merkmal des Fachkongresses blieb auch 2026 der Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette Forst und Holz. Damit wurden grundsätzliche Fragen adressiert: Gibt es überhaupt genug Holz für mehr Holzbau? Wo liegen zusätzliche Potenziale in der Rohstoffbasis? Und wie kann die Branche auf veränderte Waldstrukturen reagieren?

Am ersten Kongresstag spannten Dr. Herbert Borchert von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft und Dr. Alexander Petutschnigg von der Fachhochschule Salzburg einen weiten fachlichen Bogen: von der künftigen Verfügbarkeit der Fichte für den Holzbau bis zu den noch weitgehend unausgeschöpften Potenzialen verschiedener Laubhölzer für stoffliche Nutzungen.

Borchert zeigte für den D-A-CH-Raum unterschiedliche Entwicklungen auf. Während in Österreich Laub- und Nadelholzvorräte noch zunehmen, wird in der Schweiz, Bayern und Baden-Württemberg die Abnahme beim Nadelholz voraussichtlich durch steigende Laubholzvorräte ausgeglichen. Insgesamt geht Borchert deshalb für die kommenden Jahrzehnte von stabilen Holzvorräten aus. „Das Ziel ist, möglichst lange von den vorhandenen hohen Fichten-Vorräten zu profitieren“, so Borchert. Zugleich bestünden erhebliche Potenziale im Laubholz.

Welche technologischen Möglichkeiten Laubhölzer bieten, zeigte anschließend Petutschnigg in einem anschaulichen Vortrag. Seine Botschaft: Die Potenziale sind groß – und in vielen Bereichen noch längst nicht ausgeschöpft. „Wir können etwas verändern und das macht Sinn“, so Petutschnigg. Mehr Holz im Bau, wie Minister Hauk zuvor betont hatte, und künftig mehr Laubholz: Darin liegen große Aufgaben für die Branche.

In einer Diskussionsrunde mit Vertreterinnen und Vertretern aus dem Cluster Forst und Holz sowie der Wissenschaft wurden anschließend weitere Herausforderungen angesprochen. Auf dem Podium diskutierten Maren Hirsch, Hirsch & Sohn Holzhandel GmbH, Markus Rathke, Keck GmbH, Alex Bennet, Lignum Holzwirtschaft Zentralschweiz, Prof. Erik Findeisen, Fachhochschule Erfurt, und Moderator Fabian Schulmeyer von der Holzbau-Offensive Baden-Württemberg. Die Themen reichten von der Holzmobilisierung aus dem Kleinprivatwald über Unternehmensnachfolge und Fachkräfteausbildung bis zur Kommunikation mit Öffentlichkeit und Politik sowie zur Entwicklung neuer Holzprodukte.

Aus Thüringen berichtete Findeisen von der Bedeutung regionaler Holzverarbeitung für Wirtschaft und sozialen Zusammenhalt. In Suhl, einer von Abwanderung stark betroffenen Kommune, soll ein neuer Stadtteil in Holzbauweise entstehen – verbunden mit einem unternehmensnahen Forschungszentrum.

Holzbau als Teil einer regenerativen Baukultur

Auf die weltweit notwendige Transformation der Bauwirtschaft und die Rolle nachwachsender Ressourcen ging Prof. Philipp Misselwitz von der Technischen Universität Berlin und der Bauhaus Erde gGmbH in seiner Keynote ein. Angesichts einer Erderwärmung, die die 1,5-Grad-Grenze bereits überschreitet, und einer bis 2050 prognostizierten Verdopplung des weltweiten Gebäudebestands gebe es „ohne ein radikales Neudenken des Bauens keine Chance, die Klimaziele zu erreichen“.

Studien zeigten, so Misselwitz, dass global die meisten Städte mit ausreichend Holz als Baustoff für die bis 2050 anstehenden Bauaufgaben versorgt werden könnten. Holz im Bau leiste dabei nicht nur einen Beitrag zur Schadensbegrenzung durch die Vermeidung von Emissionen. Durch Kohlenstoffeinlagerung im Holz und Kohlenstoffsequestrierung in produktiven Wäldern könne Holzbau auch regenerativ wirken – also zur Senkung des CO₂-Gehalts in der Atmosphäre beitragen.

Aus Fehlern lernen: „Sau domm g’loffa!“

Nach der erfolgreichen Premiere beim Fachkongress 2025 wurde auch das Format „Sau domm g’loffa! Die Lernkurve war steil!“ fortgeführt. Das Gespräch wurde erneut vom Schweizer Bundesverwaltungsrichter Marc Steiner moderiert. In diesem Jahr stellten sich vier renommierte Planerinnen und Planer dem Format: Anna Heringer, bekannt für ihre Lehmbauten, Boris Peter von C4 Engineers aus Stuttgart, Michael Welle von M. Welle Architektur aus Nordrach und Prof. Markus Lager von der Fachhochschule Erfurt, zugleich Juryvorsitzender des Holzbaupreises Baden-Württemberg 2026.

Im Mittelpunkt standen nicht die Erfolge und prämierten Projekte, sondern Erfahrungen mit dem, was in Projekten schiefging oder anders verlief als geplant. Entscheidend war die Frage, wie Beteiligte damit umgehen – und was sich daraus für künftige Projekte lernen lässt.

Marc Steiner führte die Gesprächsrunde mit großem fachlichem Verständnis und viel Witz. Ihm ist es ein Anliegen, die herrschende Vergabe- und Fehlerkultur zu reflektieren und Handlungsspielräume sichtbar zu machen. Für die Teilnehmenden auf dem Podium war das Gespräch vielleicht zunächst mit einem gewissen Risiko verbunden. Doch wie einer der Beteiligten sagte: „Lernerfahrungen passieren nicht in der Komfortzone.“

Das Format wurde zu einem eindrucksvollen Plädoyer dafür, Neues zu wagen, Fehler nicht zu tabuisieren und aus ihnen Verbesserungen abzuleiten. Neben Mut und Veränderungsbereitschaft brauche es dafür vor allem einen angstfreien Raum im Team.

Mehr Beteiligung durch "Speaking Corners"

Neu bei der fünften Ausgabe des Fachkongresses waren Beteiligungsformate, die deutlich über klassische Podiumsdiskussionen hinausgingen. In vier parallel laufenden Speaking Corners wurden am ersten Veranstaltungstag zentrale Themen des Holzbaus in kurzen Impulsen aufgegriffen und anschließend mit den Teilnehmenden diskutiert.

Die Themen reichten von Wirtschaftlichkeit und Skalierung über pragmatischen Brandschutz bis hin zu Holzbau im Quartiersmaßstab sowie Digitalisierung und Robotik im Holzbau. Aus den Impulsen entwickelten sich lebhafte Gespräche zwischen Teilnehmenden, Referierenden, Studierenden und erfahrenen Fachleuten. Inhalte und Fragen aus den Speaking Corners flossen am zweiten Kongresstag in die thematisch entsprechenden Vortragsblöcke im Plenum ein.

Damit eröffnete das Format einen niedrigschwelligen Raum für Fragen, Vorschläge und Kritik. Viele Teilnehmende nutzten diese Möglichkeit, sich aktiv einzubringen und die fachliche Diskussion des Kongresses mitzuprägen.

Themenblöcke am zweiten Kongresstag

Der zweite Kongresstag griff die Themen der Speaking Corners in vertiefenden Vortragsblöcken wieder auf. Hans Jacob Wagner von der Universität Stuttgart und Prof. Dr. Felix Amtsberg von der Hochschule Biberach präsentierten umfangreiche Inhalte zu Digitalisierung und Robotik im Holzbau. Joachim Hölzel von der Planungsgesellschaft Bankwitz und Jörg Koppelhuber von Koppelhuber² und Partner widmeten sich den Kosten und der Wirtschaftlichkeit des Holzbaus. Zum pragmatischen Umgang mit Brandschutzvorschriften referierte Prof. Dr. Gerhard Fink von der Technischen Universität München.

Im letzten Themenblock stand die Quartiersentwicklung mit Holz im Mittelpunkt. Vorgestellt wurden unter anderem das Rathaus in Hohenems, die Aufstockung Werkhof 29 in Zürich und das Franklin Village in Mannheim, das 2026 mit einer Anerkennung des Holzbaupreises Baden-Württemberg gewürdigt wurde. Zudem wurden Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt Densitim präsentiert. Darin entwickelte die Technische Universität München gemeinsam mit einer Wohnbaugenossenschaft als Praxispartner eine Systematik für die Aufstockung und begleitende Sanierung weit verbreiteter Zeilenbebauungen aus den 1950er- bis 1970er-Jahren.

 

Verleihung des Holzbaupreises Baden-Württemberg 2026

Ein besonderer Höhepunkt des Fachkongresses war die Verleihung des Holzbaupreises Baden-Württemberg 2026 am Abend des ersten Kongresstages. Mit 78 eingereichten Projekten zeigte der Wettbewerb erneut die große Bandbreite und hohe Qualität des Holzbaus im Land. Die ausgezeichneten Projekte machten sichtbar, was im Holzbau heute bereits möglich ist – architektonisch, konstruktiv, klimapolitisch und mit Blick auf regionale Wertschöpfung.

Die Jury unter Vorsitz von Prof. Markus Lager würdigte Projekte, die beispielhaft für gute Planung, engagierte Bauherrschaften und das enge Zusammenwirken der unterschiedlichen Fachdisziplinen stehen.

Weitere Informationen zu den Preisträgern, Auszeichnungen und Anerkennungen finden Sie unter:

Holzbaupreis BW 2026

Bilder ©Felix Kästle

VERANSTALTER
proHolzBW im Auftrag der Holzbau-Offensive Baden-Württemberg in Kooperation mit
vorarlberger holzbau_kunst, proHolz Bayern und Lignum Ost.